«Ich wer­de ein Brot­teig sein, es wird ein Leben in mir ent­ste­hen. Dar­an muss ich den­ken, die gan­ze Zeit. Ich lege mei­ne Hän­de ab und auch mei­nen Kopf. Und wie wenig es erlaubt ist, in die­ser Welt weich zu sein, dar­an muss ich den­ken, wie wenig sie gilt, die Weich­heit. War­um ist das so? Wir haben uns doch so vie­le Mög­lich­kei­ten gebaut. Müs­sen nicht mehr jagen, sind dem Wet­ter nicht mehr so sehr aus­ge­setzt. Ich habe mei­ne Kunst um mich gebun­den, um den Teig her­um, da liegt mein Schrei­ben, wie die Scha­le einer Nuss, um mein Inne­res zu schüt­zen. Jetzt bin ich schwan­ger, und die Scha­le wird weg sein.» (S. 17f.)

Eine Schrift­stel­le­rin erwar­tet ihr zwei­tes Kind und hat Angst. Angst davor, ob die Kunst danach noch ins Leben hin­ein­passt oder das Kind oder sie selbst. Und sie spricht mit ihrem Part­ner und ihrer Freun­din, schreibt Brie­fe, zitiert aus ande­ren Tex­ten und redet mit den Figu­ren ihres Roman­ma­nu­skripts. Mit Ruth, die ein Glanz ist und Men­schen in Tie­re ver­wan­deln und glück­lich strei­cheln kann und Lin­da, die unter Ruths Hän­den zum Fisch wird und ein Kind hat und einen Mann. Über­all ist Trau­rig­keit und auch Lie­be. Und das alles zusam­men ist dann die Ver­men­gung. Und ein poe­ti­sches Lösungs­an­ge­bot für das Dilem­ma: Kunst oder Kinder.

Für Liebhaber*innen von:

# poe­ti­scher Sprache

# Weich­heit

# Ver­men­gung

Julia Weber

Die Ver­men­gung

Lim­mat Ver­lag, Zürich 2022
ISBN 978–3‑03926–041‑6
Gebun­den, 351 Seiten

uncode-pla­ce­hol­­der