Tech­no­lo­gien aus den unter­schied­lichs­ten Fach­rich­tun­gen füh­ren dazu, dass Getrei­de, Fleisch, Gemü­se – oder soll­te ich sagen Eiwei­ße, Koh­len­hy­dra­te und Nah­rungs­fa­sern? – immer schnel­ler, bil­li­ger und wirt­schaft­li­cher her­ge­stellt wer­den kön­nen. Der Auf­zucht, der Aus­wahl und der Zube­rei­tung des­sen, was wir tag­täg­lich unse­rem Kör­per zufüh­ren, wid­men wir immer weni­ger Auf­merk­sam­keit.

Gourvenience: Das Großhandelsunternehmen <em>Metro</em> bringt Convenience Food nun auch in die Restaurants. Damit können diese auch ohne Zeit und Fachkräfte gehobene Küche anbieten. Aushängeschild der Kampagne ist der TV-Koch Frank Rosin.
Gour­ve­ni­en­ce: Das Groß­han­dels­un­ter­neh­men Metro bringt Con­ve­ni­en­ce Food nun auch in die Restau­rants. Damit kön­nen die­se auch ohne Zeit und Fach­kräf­te geho­be­ne Küche anbie­ten. Aus­hän­ge­schild der Kam­pa­gne ist der TV-Koch Frank Rosin.

In den Rega­len der Groß­ver­tei­ler sind die von Ernäh­rungs­wis­sen­schaft­lern extra für mich kom­po­nier­ten Menüs bereits fix­fer­tig gekocht und auf mei­nen Nähr­wert­be­darf hin abge­stimmt. Die Bil­der auf der Ver­pa­ckung sehen appe­tit­lich aus: die Foodsty­lis­ten haben gan­ze Arbeit geleis­tet. Die Mahl­zeit ist schnell auf­ge­wärmt und kann hygie­nisch ein­wand­frei direkt aus der Ver­pa­ckung geges­sen wer­den.

Soll­te ich mal kei­ne Zeit haben, die Fer­tig­ge­rich­te zu kau­fen oder auf­zu­wär­men, bestel­le ich die benö­tig­ten Kalo­rien ein­fach per App. Auf den Stras­sen über­ho­len sich dann die Kurie­re beim Aus­lie­fern der Piz­zen und Bur­ger: Wer ist schnel­ler? Eat now oder Uber eat?

Der e‑Services Report (Sta­tis­ta 2019a) pro­gnos­ti­ziert eine mas­si­ve Stei­ge­rung des Online Food Deli­very-Markt in den nächs­ten fünf Jah­ren: von 107,4 Mil­li­ar­den US-Dol­lar im Jahr 2019 auf 164,0 Mil­li­ar­den US-Dol­lar im Jahr 2024. Das ist eine Zunah­me um mehr als 50 Pro­zent in einem bereits sehr gro­ßen Markt. Dazu kommt der schon von der Begriff­lich­keit her appe­tit­an­re­gen­de Markt der „rege­ne­rier­fer­ti­gen Fer­tig­ge­rich­te“ und Tüten­sup­pen. Er wird bis 2023 vor­aus­sicht­lich auf rund 293 Mil­li­ar­den US-Dol­lar wach­sen, wie der Food Report (Sta­tis­ta 2019b) zu berich­ten weiß.

Zeit­gleich neh­men die Into­le­ran­zen gegen­über Nah­rungs­mit­teln in der Bevöl­ke­rung schein­bar lau­fend zu. Einen Bezug zwi­schen der Art, uns zu ernäh­ren und der Zunah­me der Into­le­ran­zen her­zu­stel­len, ist aller­dings nicht beliebt: Wer mag schon dar­über nach­den­ken, ob der Kör­per nicht ein­fach ger­ne wie­der nor­mal essen wür­de? Etwas ohne Zusatz­stof­fe?

Dabei sind die meis­ten Into­le­ran­zen medi­zi­nisch gese­hen gar kei­ne: Exper­ten gehen davon aus, dass nur ein Bruch­teil der Men­schen, die glau­ben an einer All­er­gie zu lei­den, auch tat­säch­lich betrof­fen sind. Eine groß­flä­chi­ge Unter­su­chung bestä­tigt den Ver­dacht. Die For­scher der Uni­ver­si­tät Har­vard (Wacker et al. 2017) wer­te­ten die Daten von 2,7 Mil­lio­nen Pati­en­ten aus. Ihr Ergeb­nis: Nur 3,6 Pro­zent der Men­schen hat­ten tat­säch­lich eine Lebens­mit­tel­all­er­gie oder ‑unver­träg­lich­keit. Die meis­ten der Betrof­fe­nen reagier­ten auf Scha­len­tie­re wie Krab­ben (0,9 Pro­zent), Früch­te und Gemü­se (0,7 Pro­zent) sowie Milch­pro­duk­te (0,5 Pro­zent).

Wer Sah­ne mit Käse und Schin­ken an sei­ne Pas­ta macht, der sei beglück­wünscht, da er offen­bar selbst kocht. Aber das ist kei­ne Car­bo­na­ra.

Viel­leicht wäre es ein­fach an der Zeit, mal wie­der selbst und in Ruhe zu kochen? Aber die Zeit ist knapp! Daher machen wir die wohl ein­fachs­te und am schnells­ten zube­rei­te­te Pas­ta ganz Ita­li­ens: Car­bo­na­ra. Und räu­men dabei auch gleich mit einem gro­ßen Miss­ver­ständ­nis auf: Car­bo­na­ra ist kei­ne Sau­ce mit Sah­ne. Wer Sah­ne mit Käse und Schin­ken an sei­ne Pas­ta macht, der sei beglück­wünscht, da er offen­bar selbst kocht. Aber das ist kei­ne Car­bo­na­ra.

Für eine Car­bo­na­ra wer­den in einer Brat­pfan­ne mit ein biss­chen Oli­ven­öl nicht zu klei­ne Strei­fen von Guan­cia­le (Backen­speck, zur Not tut’s auch Bauch­speck) aus­ge­bra­ten. In der Zwi­schen­zeit wird ein Stück rei­fer Peco­ri­no roma­no fein gerie­ben und pro Per­son mit zwei Eiern ver­schla­gen. Sobald die Pas­ta al den­te ist – hier soll­ten Sie wirk­lich auf die Zeit ach­ten! – die Käse-Ei-Mischung mit der Pas­ta ver­men­gen, die knusp­ri­gen Strei­fen Guan­cia­le dazu­ge­ben und groß­zü­gig mit frisch gemah­le­nem, gro­ben Pfef­fer wür­zen.

Zutaten für Spaghetti Carbonara: Pecorino, Pasta, Bauchspeck, Eier (Bild: Marco Meyer).
Zuta­ten für Spa­ghet­ti Car­bo­na­ra: Peco­ri­no, Pas­ta, Bauch­speck, Eier (Bild: Mar­co Mey­er).

Um die Her­kunft die­ses Rezep­tes ran­ken sich vie­le Legen­den. Die Köh­ler in den Wäl­dern Lati­os sol­len es erfun­den haben. Schließ­lich ist es ja auch nach ihnen benannt. Tat­säch­lich gibt es aller­dings vor dem Ende des zwei­ten Welt­krie­ges kei­ne Hin­wei­se auf die­ses Rezept. Wahr­schein­li­cher ist, dass Car­bo­na­ra erst nach 1944, im Zuge der Ein­nah­me Roms durch die Alli­ier­ten, ent­stan­den ist, als die ame­ri­ka­ni­schen Sol­da­ten ihre Bacon-Ratio­nen den schö­nen ita­lie­ni­schen Frau­en geschenkt haben.

Lite­ra­tur

Acker, W. W. et al. 2017. „Pre­va­lence of food all­er­gies and into­le­ran­ces docu­men­ted in elec­tro­nic health records“, J. All­er­gy Clin. Immu­nol., Bd. 140, Nr. 6, S. 1587–1591. Abs­tract online.

Sta­tis­ta. 2019a. eSer­vices Report 2019 – Online Food Deli­very. Online.

Sta­tis­ta. 2019b. Food Report 2019. Online.

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Tom Wiederkehr

Tom Wie­der­kehr

Tom Wie­der­kehr macht Wer­bung und schreibt für ver­schie­de­ne Maga­zi­ne und Tages­zei­tun­gen über Essen, Genuss, Life­style und Fashion. Als diplo­mier­ter Baris­ta und Brew­mas­ter ist ihm auch Kaf­fee in allen For­men ein wich­ti­ges Anlie­gen (Bild: Flo­ri­an Bärts­chin­ger).

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